Bevölkerung

Sozialgeographische Gegebenheiten

N’Djaména («Ort der Ruhe») ist die Hauptstadt des Tschad und zugleich auch die größte Stadt des Landes mit ihren geschätzten knapp 1,5 Mio. Einwohnern. Die Stadt unterliegt in den letzten Jahren umfangreichen Veränderungen und Modernisierungsbestrebungen.

Weitere größere Städte – und auch die einzigen von industrieller Bedeutung – wie Moundou, Sarh und Doba liegen im agrarwirtschaftlich nutzbaren und daher auch dichter besiedelten Süden des Landes. Abéché mit über 100.000 Einwohnern bildet die größte Stadt im nordöstlichen Teil des Landes.

Im Jahr 2020 ist die Bevölkerung des Tschad auf ca. 16,8 Millionen Einwohner angewachsen. Wenn man die letzten zehn Jahre betrachtet, war das Bevölkerungswachstum deutlich rückläufig bis zum Jahr 2017 auf 1,89 % und steigt aber seit 2018 wieder an (3,18%).

Ca. 80 % der Menschen wohnen in ländlichen Gebieten und leben größtenteils von der Subsistenzwirtschaft, wobei eine klimatisch bedingte, ungleiche räumliche Verteilung festzustellen ist.In der am dichtesten besiedelten Präfektur des Südens, Logone Occidental, leben etwa 40 Einwohner pro km², in den am dünnsten besiedelten Präfekturen des Nordens, Borkou, Ennedi und Tibesti (BET), liegt eine Bevölkerungsdichte von etwa 0,2 Einwohnern pro km² vor.

Verkehrswege

Der Tschad, der etwa 3,5-mal so groß ist wie Deutschland, besitzt ein Straßennetz von 33.400 km, wovon jedoch nur etwa 2500 km geteert sind. Dies kann vor allem in der Regenzeit zu großen logistischen Problemen und erheblichen Verzögerungen in der wirtschaftlichen Versorgung führen. Zudem verfügt das Land bis jetzt über keinerlei Eisenbahnnetz (obwohl es Verhandlungen mit China gibt) und die größten Flüsse Chari und Logone sind nur in der Regenzeit schiffbar.

In N’Djaména befindet sich der einzige internationale Flughafen; des Weiteren gibt es im ganzen Land 53 ungeteerte und fünf geteerte Landebahnen (in Abéché, Bol, Moundou, Mao und Faya- Largeau).

Im Tschad gibt es mehr als 120 Sprachen, die von über 200 verschiedenen Ethnien gesprochen werden. Die sozio-ökonomische Gesellschaftsstruktur der Ethnien differiert sehr stark und führt dadurch zu einer großen kulturellen Heterogenität.

Alphabetisierte Erwachsene 22,3 % (2016, geschätzt)

Bedeutende Religionen Islam 53%, Christentum 34%

Städtische Bevölkerung 23 % (2017, geschätzt)

Lebenserwartung (w/m) 54,5 / 52 Jahre (2017, geschätzt)

Gender Inequality Index Rang 160 von 162 (2018)

Anzahl der Geburten 4,34 / Frau (2017, geschätzt)

Kindersterblichkeit 75,2 / 1000 Lebendgeburten (2017, geschätzt)

Makrosoziale Struktur

Die makrosoziale Struktur des Tschad hat sich durch die koloniale Eroberung und Verwaltung seit Anfang des 20. Jahrhunderts stark verändert. Obwohl schon vormals große Unterschiede zwischen den überwiegend im Norden ansässigen, zentralistischen Sultanaten und den kleinen, weniger hierarchisch organisierten Dorfgesellschaften im Süden bestanden, brachte die Kolonialverwaltung einschneidende Veränderungen für die Bevölkerung. Viele traditionelle Autoritäten wurden abgesetzt und andere, die sich teilweise auf wenig Akzeptanz in der Bevölkerung stützen konnten, wurden von der französischen Kolonialverwaltung eingesetzt. Neue Verwaltungseinheiten und -grenzen wurden geschaffen und damit lokale und ethnische Trennung vorangetrieben. Zudem wurde die Bevölkerung des Südens (le tchad utile) gegenüber dem Norden favorisiert und die sesshafte Bevölkerung gegenüber der nomadisch lebenden. Diese Ungleichbehandlung hielt auch nach der Unabhängigkeit an und ist bis heute ein bedeutendes Element in den interethnischen Konflikten.

Ein weiterer großer Einschnitt und Veränderung für die sozialen Strukturen in den Clans und Familien bedeutete die Einführung der Geldwirtschaft und der Anbau von Cash-Crops (Baumwolle), vor allem im Süden. Individualität gewann an Bedeutung und schwächte die traditionellen Dorfstrukturen.

Jedoch bildet die Familie nach wie vor die Basis der sozialen Organisation, wobei der überwiegende Teil der ethnischen Gruppen patrilinear strukturiert ist. Trotzdem oder gerade wegen der konfliktreichen Staatsgeschichte haben bis heute die noch in weiten Teilen des Landes aktiven traditionellen Autoritäten, wie Sultane, Könige oder Ältestenräte wichtige Beratungs- und Mediationsfunktionen inne. Ihnen wird von der lokalen Bevölkerung häufig ein höheres Vertrauen entgegengebracht als den staatlichen Vertretern. Dies macht auch eine ethnologische Studie aus dem Flüchtlingsgebiet um Dar Sila im Osten des Landes sichtbar, in der es um Gesellschaftsstrukturen, Ursachen von Gewalt und Mediationsstrategien in dieser Region geht.

Ethnizität und Sprachen

Ethnizität und Tribalismus

Heute gliedert sich das Land in mehr als 200 ethnische Gruppierungen, die sowohl sprachlich als auch kulturell sehr heterogen sind. Die geographischen Gegebenheiten der Sahara-, Sahel- und Sudanzone haben zu unterschiedlichen Wirtschaftsformen geführt, die sich in nomadischer, halbnomadischer oder sesshafter Lebensweise ausdrücken. Die sozio-ökonomische Gesellschaftsstruktur der verschiedenen Ethnien differiert daher stark. Obwohl seit der Kolonialzeit versucht wurde, die Idee einer ’nationalen› Gesellschaft innerhalb der künstlich gezogenen Grenzen zu etablieren, bleibt vor allem für die ländliche Bevölkerung die lokale oder regionale Gesellschaftsordnung der bedeutendste Bezugsrahmen außerhalb der Familie.

Vertreter der verschiedenen Wirtschaftsformen sind beispielsweise die Tubu-Nomaden und Daza der Sahara, die oftmals halbnomadisch lebenden arabischen Ethnien der Sahelgebiete und die sesshaften Sara der Sudanzone. Die größte ethnische Gruppe bilden im Tschad die Sara mit 27,7 %, dann folgen die Araber mit 12,3 %, Mayo-Kebbi mit 11,5 %, Kanembou 9 %, Ouaddai 8,7 %, Hadjarai 6,7 %, Tandjile 6,5 % und Gorane mit 6,3 %, Masalit, Peul und viele andere.

Diskriminierung gegenüber Minoritäten herrscht im Tschad besonders gegenüber den Peul, die trotz eines im Jahre 2006 angenommenen Antidiskriminierungsgesetzes von wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden.

Sprachen

Der Tschad gehört zu den sprachenreichsten Ländern der Erde. Es existieren über 120 Sprachen und Dialekte im Land, die überwiegend der nilo-saharischen, der afro-asiatischen und der Niger-Kongo Sprachfamilie zuzuordnen sind. Rund 26 % der Gesamtbevölkerung spricht Arabisch als Muttersprache und etwa 20 % der Bevölkerung das im Süden des Landes verbreitete Sara.

Offizielle Amtssprachen sind Französisch und Arabisch, wobei das lokale Tschad-Arabisch durch den Handel auch bei weniger gebildeten Bevölkerungsschichten, selbst im Süden des Landes, verbreitet ist. Französisch, in seiner landestypischen Ausprägung, wird überwiegend nur von Bevölkerungsgruppen mit einer formalen westlichen Bildung und von der Stadtbevölkerung gesprochen.

Soziale Lage

Die Arbeitslosigkeit im Tschad, auch die der Jugend, ist sehr hoch, wobei wenig aussagekräftige statistische Daten existieren. Die meisten Menschen behelfen sich mit Gelegenheitsjobs und Kleinhandel und versuchen zudem durch Subsistenzwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu sichern. Selbst Hochschulabsolventen mit einem guten Abschluss haben Probleme eine Stelle zu finden.

Der informelle Sektor ist im Tschad von großer Bedeutung, da die staatlichen- wie auch die privatwirtschaftlichen Strukturen nur marginal ausgeprägt sind. Frauen erwirtschaften sogar zu 97 % ihren Lebensunterhalt mit informeller Arbeit. Besonders erwähnenswert ist hierbei die Bili-Bili- Produktion (lokales Hirsebier), das ausschließlich von Frauen hergestellt wird. Jedoch sind die aus dem informellen Bereich erwirtschafteten Einkommen meist nur gering und der Zugang zu Produktionsmitteln und Krediten schwierig.

Stadt-Land-Verhältnis

Zwischen Stadt und Land herrscht, wie in vielen Ländern der Sahel-Zone, auch im Tschad eine nicht zu übersehende Kluft. Der Urbanisierungsgrad liegt bei etwa 23,5 % für das Jahr 2020. Die größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt N’Djaména mit knapp 1,5 Mio. Einwohner. Weitere ökonomisch wichtige Zentren sind Moundou und Sarh im Süden und Abéché im Nordosten.

Eine Übersicht der wichtigsten Städte mit Einwohnerzahlen verdeutlicht den geringen Urbanisierungsgrad der Bevölkerung.

Geschlechterverhältnisse

Gesellschaftliche und religiöse Rahmenbedingungen und Einflüsse prägen ganz entscheidend die Situation der Frauen im Tschad. Als während des Bürgerkriegs viele Männer emigrierten oder keine Arbeit fanden waren die Frauen gezwungen, neue Strategien zu entwickeln, um das Überleben der Familie zu sichern. Eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse war die Folge. Da die Möglichkeiten Einkommen schaffender Aktivitäten sehr begrenzt war, konzentrierten sie sich auf die Herstellung von Nahrungsmitteln, bildeten Handelsnetzwerke und nahmen dabei weite Wege auf sich. Der Konflikt ermöglichte Frauen in öffentliche, ehemals nur den Männern vorbehaltene Domänen vorzudringen und ihren Platz, insbesondere im Kleinhandel, zu verteidigen. Allerdings darf dieser Umstand nicht vergessen lassen, dass Frauen nach wie vor nur geringe Handlungsspielräume und begrenzte Verfügungsgewalt über Ressourcen, ihren Körper und ihr Handeln besitzen, auch wenn diese Tatsache natürlich von Ethnie zu Ethnie variiert. Dies zeigt sich auch in den vielen Fällen von Zwangsverheiratungen, die häufig sehr junge Frauen und minderjährige Mädchen betreffen, die wachsende Zahl von filles-mères (unverheiratete Mütter), die nicht nur in den Städten anzutreffen sind und die höchste Müttersterblichkeit in ganz Afrika. Der Tschad weist die zweithöchste Rate an Kinderheiraten weltweit auf. Fast 70% der Frauen und Mädchen werden vor ihrem 18. und fast 30% vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet.

MUDESOFT (Mutuelle pour le Développement Economique et Social de la Femme Tchadienne) und Appel-Durance sind Organisationen, die sich für junge ledige Mütter, die oft von ihrer sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen werden, einsetzen und versuchen, ihnen durch Kinderbetreuungsangebote und Ausbildungsmöglichkeiten Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Des Weiteren haben sich seit 1990 verschiedene Frauenorganisationen, unter anderem die AFPAT (Association des Femmes Peules Autochtones du Tchad), die bestimmte ethnische Gruppen unterstützen und Rechtshilfeorganisationen wie die AFJT (Association des Femmes Juristes), die Rechtsbeihilfe bei Ehescheidungen oder bezüglich des Kindschaftsrechts und Erbrechts anbieten, gebildet.

Der Global Gender Gap Report von 2020 bescheinigt dem Tschad den fünftletzten Platz (147 von 153 Ländern), was die Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf die Bereiche Bildung, Politik, Wirtschaft und Gesundheit betrifft und auch die UN weist in ihrem Bericht vom Dezember 2017 auf eklatante Diskriminierungspraktiken hin.

Ausschnitte aus Lebensabschnitten von Frauen sowie Bräuche bei Hochzeiten und Geburten vermitteln einen kleinen Einblick in das Alltagsleben. Der internationale Frauenta g am 8. März und La Semaine Nationale de la Femme Tchadienne (SENAFET) werden im Tschad seit 1987 mit vielen Aktivitäten gefeiert.

Beschneidung

Die weibliche Beschneidung wird in weiten Teilen des Tschad, v.a. in den östlichen und südlichen Gebieten praktiziert. Dabei handelt es sich um die verschiedensten Formen und Ausprägungen der Beschneidung bis hin zur Infibulation. Fast die Hälfte der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im Tschad sind beschnitten. Wobei sowohl christlich und von traditionellen Religionen geprägte Ethnien als auch muslimische Ethnien diesen Eingriff durchführen. Am weitesten verbreitet ist diese Praktik bei den arabischen Ethnien, den Hadjarai und den Ouaddai.

Den Kampf gegen die weibliche Beschneidung im Tschad dokumentiert ein Aufsehen erregender Film (1994) der tschadischen Journalistin Zara Jacoub. In «Dilemme au Feminin» werden Ausschnitte einer reellen Beschneidung gezeigt, die 1995 auch im tschadischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Daraufhin erhielt Jacoub mehrere Morddrohungen und es kam zur Verhängung einer Fatwa gegenüber der Journalistin.

Seit 1988 existiert im Tschad ein nationales Komitee (CONA/CI-AF), das sich mit Hilfe der Entwicklung anderer Initiationsriten für die Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung einsetzt und in der Bevölkerung Sensibilisierungsarbeit leistet.

Bildung

Der Anteil der alphabetisierten Erwachsenen wird im Tschad auf etwa 22 % geschätzt. Die Bevölkerung des Tschad ist sehr jung. Die Altersstruktur liegt bei unter 15jährigen bei 47 % und bei den über 65jährigen bei 2,9 %. Das Durchschnittsalter beträgt 16,3 Jahre.

Neben Koranschulen im Norden, deren Schüler «mouhadjirine» genannt werden, gab es vorwiegend im Süden die Institution der Initiationsriten, die der traditionellen Wissensvermittlung zwischen den Generationen dienten. In den 1920er Jahren wurde von den Franzosen und den ersten christlichen Missionaren ein rudimentäres formales Bildungswesen westlichen Typs eingeführt. Bis 1942 gab es keine weiterführenden Schulen und nur wenige Tschader hatten die Möglichkeit im Kongo eine höhere Schulbildung zu erlangen. Die Université de N’Djaména eröffnete im Jahre 1971. Ansonsten bieten nur wenige Hochschulen und Technische Institute in Abéché, Doba, Sarh, Moundou und N’Djaména eine weiterführende Ausbildung an.

Generell lehnt sich das Bildungswesen des Tschad bis heute an das dreigliedrige System Frankreichs an. Die Kinder werden offiziell mit sechs Jahren eingeschult. Die Grundschulzeit ist auf sechs Jahre angelegt und wird mit einem Zertifikat abgeschlossen. Weiterführende Schulen sind Collège (4 Jahre) und Lycée (7 Jahre), wobei das Lycée mit dem Baccalauréat (bac) abschließt und zum Hochschulstudium führt. Seit einigen Jahren kann sowohl Französisch als auch Arabisch als Unterrichtssprache gewählt werden und bilinguale Schulen werden mehr gefördert.

Da der Staat jedoch nur zum Teil die Bereitstellung von Lehrmaterialien, Lehrerausbildung und – bezahlung wahrnimmt, sind die vielfach auf dem Land gegründeten Associations des Parents d’Élèves gezwungen, auf eigene Initiative und Kosten Lehrkräfte für ihre Kinder zu organisieren. Besonders Mädchen sind die Benachteiligten dieser unzureichenden Bildungsmöglichkeiten, da für sie Bildung als nicht so wichtig erachtet wird und sie vor allem auf dem Land schon sehr früh verheiratet werden. Noch gravierender wirkt sich diese Benachteiligung bei nomadisierenden Ethnien wie den Peul aus, wo Mädchen kaum formale Bildungschancen erhalten.

Die UNESCO gab auch 2016 von ihrem International Bureau of Education einen Bericht über das Bildungsprofil im Tschad heraus, in dem die schwierige Bildungssituation im Land aufgezeigt wird. Statistische Daten zum Bildungswesen und zur Berufsbildung stellt ebenfalls die UNESCO zur Verfügung.

Gesundheit

Das Gesundheitswesen hat sich im Tschad aufgrund der instabilen politischen Lage der letzten Jahrzehnte, nicht nur in den östlichen Gebieten, nur rudimentär ausbilden können. Zwar hat sich die Situation u.a. durch die Unterstützung des Europäischen Entwicklungsfonds in den letzten Jahren verbessert, aber nach wie vor sind die ländlichen Gebiete unzureichend versorgt und die Bevölkerung weist einen sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand auf. Besonders in der Region Kanem im Westen des Tschad ist die Versorgung besorgniserregend schlecht.

Vor allem die Mütter- und Kindersterblichkeit ist im afrikanischen Vergleich sehr hoch. Dadurch, dass viele Mädchen schon mit 12 oder 13 Jahren verheiratet werden, kommt es zu frühen Schwangerschaften, die in diesem Alter häufig zu Geburtsverletzungen und Fisteln führen. Diese wiederum sind oft mit Inkontinenz und daraus folgender gesellschaftlicher Ausgrenzung verbunden.

Die einzelnen Präfekturen sind im Tschad in Préfectures Socio- Sanitaires eingeteilt und verfügen über Krankenhäuser und Krankenstationen, die jedoch oft nur mit dem Nötigsten ausgestattet sind und gravierende hygienische Mängel aufweisen. Lediglich 30 % der Bevölkerung hat Zugang zu den primären Gesundheitseinrichtungen, wie die Daten der WHO dokumentieren. Von vielen Tschadern werden nach wie vor sowohl aus  Kostengründen als auch aus Überzeugung traditionelle Heilmethoden bevorzugt. Inzwischen gibt es auch Kooperationen zwischen Vertretern schulmedizinischer und traditioneller Heilmethoden.

Gesundheit

Immer wiederkehrende Choleraausbrüche fordern im Tschad zahlreiche Todesfälle. Häufig sind hier die Grenzregionen zu Nigeria und Kamerun betroffen. Der schlimmste Ausbruch der letzten drei Jahrzehnte erfolgte im Jahr 2011. 2017 erfolgte ein Ausbruch in der im Südosten des Landes liegenden Region Sila an der Grenze zum Sudan. Insgesamt wurden bis Ende 2017 über 700 Cholerafälle bekannt. 2018 gab es mehr als 500 Todesfälle um die Tschadseeregion.

Doch mehr als bei anderen Krankheiten führt Malaria vor allem bei Kindern zum Tod. Durch Präventions-und Schutzmaßnahmen versuchen die Sahelländer in den Regionen neue Malariafälle drastisch zu vermindern.

HIV / AIDS

Der Tschad zählt nicht zu den Hochprävalenzländern für HIV, aber das Virus verbreitete sich besonders im Süden (Erdöl-und Flüchtlingsregion) und in der Region rund um den Lac Tchad schnell. Die Infektionsrate ist zwischen 2005 und 2015 etwas abgefallen und Statistiken sprechen seit 2013 von etwa 2,5 (vorher etwa 3,3%) der Bevölkerung, die betroffen sein soll (in der Erdölregion sogar 10 %). Kulturelle und religiöse Tabus sowie eine große Unwissenheit bezüglich Übertragungsmöglichkeiten und Verwendung von Kondomen, führen zu großen Schwierigkeiten bei der Implementierung von Aufklärungskampagnen und Programmen.

Die Urheberin Brigitte Salzberger, Ethnologin (MA), geb. 1967 lebt und arbeitet in Rheinland-Pfalz. Ich habe Frau Salzberger per E-Mail kontaktiert. Im Vorfeld habe ich die Übernahme der Inhalte mit der GIZ besprochen. Das Länderportal ist im Juli 2021 abgeschaltet worden und wurde bis dahin aktualisiert.